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20151107 Graveyard luxWas für ein Paket! Kommen mit GRAVEYARD und IMPERIAL STATE ELECTRIC doch tatsächlich zwei Aushängeschilder der schwedischen Musikszene gemeinsam auf Europatournee. Der Abend verspricht bereits im Vorhinein großartig zu werden, und enttäuscht wurde an diesem Abend sicherlich keiner der Anwesenden.

IMPERIAL STATE ELECTRIC
Dennoch verwunderte es mich, dass zum Beginn der IMPERIAL STATE ELECTRIC-Show das Atelier noch nicht vollständig gefüllt war. So war zunächst einmal der Balkon für das reguläre Publikum gesperrt und lediglich der Hauptraum offen. Auch die Getränkestände waren nicht voll besetzt. Offensichtlich sind beide Bands doch nicht so bekannt, wie ich zunächst vermutet hatte. Leiden müssen darunter eigentlich nur IMPERIAL STATE ELECTRIC, die trotz des recht späten Beginns von 20:30 Uhr ihre 45-minütige Show vor halb voller Halle spielen müssen. Trotzdem liefern die vier Musiker um Ex-HELLACOPTERS Mastermind Nicke Andersson eine energiegeladene Show. Dabei fällt besonders auf, dass die Power der Band scheinbar keine Grenzen kennt. Das Publikum lässt sich davon nur auf bescheidene Weise begeistern, selbst bei Anspielungen auf den KISS-Klassiker „Black Diamond" und BLACK SABBATHs „Fairies Wear Boots" zeigt das Publikum eher wenig Reaktionen. Dabei macht die Band eigentlich alles richtig, was sie nur richtig machen kann. Die insgesamt elf Songs werden innerhalb von 45 Minuten mit unglaublicher Spielfreude von der Bühne gefeuert und die Band hat sichtlich Spaß.

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Die Setlist ist gut gemischt, jedoch hätte ich gerne mehr vom aktuellen Album „Honk Machine" und von „Reptile Brain Music" gehört. Dies liegt aber auch daran, dass ich von IMPERIAL STATE ELECTRIC und den HELLACOPTERS zugegebenermaßen noch nicht den gesamten Backkatalog kenne. Die Songs der aktuellen Platte klingen live auf jeden Fall noch stärker und griffiger. Beim Singen wechseln sich die Bandmitglieder ein paar Mal ab, so wird jeweils ein Song von Gitarrist Tobias Egge und Basser Dolph de Borst gesungen. Auch Schlagzeuger Tomas Eriksson hält sich nicht zurück und animiert hin und wieder mit coolen Ansagen das Publikum. Dieses taut ungefähr zur Hälfte der Show ein wenig auf, auch wenn es nicht unbedingt Begeisterungsstürme gen Bühne richtet, scheinen die Leute zumindest die Leistung der Band anzuerkennen. Immerhin schlagen GRAVEYARD in eine etwas andere Kerbe, auch wenn ich das Package persönlich extrem gelungen finde. IMEPERIAL STATE ELECTRIC haben dennoch die Menge gut angeheizt und machen Lust auf mehr. Dass die Band nach wie vor ihr Equipment selbst abbauen muss, spricht einmal mehr für die Bodenständigkeit der Band.

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GRAVEYARD
Nach der Umbaupause starten GRAVEYARD mit dem Opener der aktuellen Platte „Magnetic Shunk" gekonnt in ihr Set. Der Neuzugang Truls Mörck am Bass gibt auf der Bühne ein etwas schüchternes Bild, wohingegen der Rest der Band nicht viel in Bewegung ist. Doch das ist auch nicht wirklich notwendig, viel eher wirken alle Musiker sehr entspannt und Drummer Axel Sjöberg hat ein Dauergrinsen auf dem Gesicht. Die Band hat sichtlich Spaß, auch wenn die Augen von Sänger Joakim Nilsson kaum zu sehen sind. Viel zu konzentriert ist der talentierte Kopf der Band mit seinen Gesangslinien, die er an diesem Abend besonders gut rüberbringt. So verwundert es nicht, dass mir einige Songs der neuen Platte live noch besser als auf Platte gefallen. Viele der Tempowechsel kommen dabei noch fantastischer rüber.

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Die enorme Spielzeit von mehr als zwei Stunden spricht Bände darüber, weshalb man diese Band live sehen muss. Dabei verstreicht die Zeit gefühlt schneller als bei regulären Konzerten, die meist auf gerade mal 90 Minuten kommen. Ein wenig schade, dass das extrem gelungene Artwork des neuen Albums „Innocence & Decadence" auf der Bühne nicht in seiner ganzen Pracht zu sehen ist, da es aus Platzmangel recht tief hängen musste. Dennoch ließ sich die Band auch hier etwas einfallen und montierte das Teil einfach um die Ecke, wodurch der Eindruck entsteht, die Bühne wäre im Album-Artwork aufgebaut. Das Publikum ist bei GRAVEYARD deutlich aktiver und dankt der Band durchgehend mit lautem Applaus. Nach zwei Stunden Spielzeit legt die Band noch vier Zugaben aufs Parkett. „Stay For A Song" bestreitet Sänger Joakim Nilsson alleine auf der Gitarre, was sich als ganz großes Kino mit Gänsehautgarantie herausstellt.

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Für meinen Geschmack hätte die Setlist deutlich mehr von „Hisingen Blues" vertragen. „Ain't Fit To Live Here", „Hisingen Blues", „The Siren", „Buying Truth" und „Uncomfortably Numb" reichten mir an diesem Abend einfach nicht aus. Vom neuen Album, von dem insgesamt sieben Tracks gespielt wurden, fehlte mir hingegen „Never Theirs To Sell". Doch an der Setlist lässt sich bekanntlich immer etwas aussetzen, daher möchte ich darauf nicht weiter herumreiten. Die insgesamt achtzehn Songs verströmen live noch mal ein ganz besonderes Feeling. Der Sound war in Ordnung, wobei ich dazu sagen muss, dass ich in der Regel Ohrenstöpsel verwende. Diese musste ich bei diesem Konzert aber raus nehmen, da es sonst zu merkwürdig kratzenden Klängen kam. Der Effekt-Kosmos, den GRAVEYARD auf der Bühne auffahren, ist eben nach wie vor sehr unerforscht, und das kann vorerst auch gerne so bleiben. Bis zu einem gewissen Grad macht nämlich auch der besondere Sound das Feeling dieser Truppe aus. Die hypnotische Lichtshow während des Konzertes trug zusätzlich zur besonderen Atmosphäre bei.

Die hohen Erwartungen wurden erfüllt, sowohl IMPERIAL STATE ELECTRIC als auch GRAVEYARD gaben alles. Hier ist sicherlich keiner der Besucher enttäuscht nach Hause gegangen. Man möge gespannt sein, ob man diese Band in einem derart familiären Rahmen in den nächsten Jahren noch einmal sehen wird. (Pascal)

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