KGB TourFlyerFall2015 smallDas Gefühl einer positiven Überraschung aufgrund von geringen Erwartungen ist bei vielen Konzerten heutzutage eher selten. Eben jenes Gefühl kam überraschenderweise beim Konzert der KYLE GASS BAND in Saarbrücken über mich. Und ohne zu scherzen kann ich zweifellos behaupten, dass es sich dabei um eines der besten Konzerte handelte, denen ich bisher beiwohnen durfte.

Das selbst betitelte im Classicrock-Dickicht angesiedelte Debütalbum der Band gefiel mir bei der Veröffentlichung auf Anhieb. Dass ich auf dem Konzert derart vom Hocker gerissen werde, hätte ich trotzdem nicht erwartet. Um ehrlich zu sein habe ich es sogar bisher eher vermieden, TENACIOUS D live zu sehen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass solche Musik im Rahmen eines Konzerts gut funktionieren könnte. Doch THE KYLE GASS BAND sind nicht TENACIOUS D, was an diesem Abend durch die Tatsache, dass kein Song von TENACIOUS D gespielt wurde, noch zusätzlich untermauert wurde. Dies war auch nicht nötig, die Band hatte das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton fest im Griff. Und wenn ich vom ersten Ton schreibe, meine ich vom ersten Ton. Denn allein der Opener in Form des THIN LIZZY Klassikers „Jailbreak" rauschte dermaßen über das Publikum hinweg, dass man sich erst einmal fangen musste „Was war das denn gerade? Sind da wirklich fünf Typen auf die Bühne gekommen und haben eine grandiose Version von ‚Jailbreak' gespielt?". Genau das war passiert, und es steht außer Frage, dass dies auch am fulminanten Sound lag, der an diesem Abend in der Garage gemischt wurde. Einen solchen Sound habe ich bisher noch nie erlebt, und so konnte man das gesamte Konzert über gut hören und sehen, wie sich die beiden Gitarristen Mike Bray und John Kokensky gegenseitig die Riffs und Dual-Lead-Parts zuwarfen. Und gerade Letztere hatten es in sich, vermutlich hat die Band genau deshalb THIN LIZZY als Opener und zum Abgang gewählt (eine der vielen Zugaben war „The Boys Are Back In Town"). Dabei tönte die schön kratzige Stimme von Mike ebenso gut durch die Boxen wie die des Majestros Kyle Gass selbst, der sich das gesamte Konzert über kein bisschen in den Vordergrund stellte. Die KYLE GASS BAND ist eben doch eine richtige zusammenhaltende Band, und nicht eine Tourband für den zweiten Mann von TENACIOUS D.

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Des Weiteren zeigte Kyle eine ganz besondere Fannähe, so marschiert er mehrmals während des Konzertes durchs Publikum, sprach Leute direkt von der Bühne aus an und befand sich generell sehr auf Augenkontakt mit dem Publikum. Als ein Fan mit Baseball-Mütze zur Piss-Pause aufbrechen wollte, übernahm die Band kurzerhand die Idee und diskutierte lautstark darüber ob fünf Minuten für eine Piss-Pause drin seien (Anm. d. Red.: Der Plan wurde verworfen). Generell begleitete der spontan und ehrlich wirkende Humor der Band das gesamte Konzert. So wurde über die netten „reichen" Schweizer geredet, denen die Band einen Tag zuvor begegnet ist, und auch das unglaubliche Entertainment-Programm der Band (Kostüme bei „Gipsy Roll") wurden mehrfach durch den Kakao gezogen. Dabei stieg der Stimmungsbarometer bei Band und Publikum das gesamte Konzert über gleichermaßen an, man sah den fünf richtig an, dass sie sich pudelwohl fühlten. Eventuell mag das auch einfach daran liegen, dass sich keiner der Musiker allzu ernst nimmt. Schlagzeuger Tim Spier sprang, nachdem er von Kyle Gass gegen Gitarrist Mike Bray für einen Song kurzerhand ausgetauscht wurde, nach vorne auf die Position von Kyle und sang und tanzte kurzerhand einige MICHAEL JACKSON-Nummern. Im Anschluss daran gab er noch einen kurzen Rap zum Besten und bewegte sich wieder hinter die Kessel. Diese kleine Showeinlage wurde derart lustig dargeboten, dass ich selbst kaum noch Luft bekam.

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Dual-Leads bei Gitarren sind ja schon sehr geil, Dual-Leads bei Flöten kannte ich bisher aber nicht, dank Kyle Gass gehört dies nun auch der Vergangenheit an. Ein rockendes Flötensolo ist bereits etwas Geniales, als der Gute dann eine zweite Flöte zum Mund führte und munter auf beiden spielte, war ich für den Rest des Songs sprachlos. Bis auf die bereits erwähnten THIN LIZZY-Coversongs spielte die Band noch ein Medley, unter anderem mit dem LOU REED-Klassiker „Walk On The Wild Side". Ein gelungenes RAMONES-Cover gab es obendrauf, wohingegen FREEs „All Right Now" von der Band nicht so brachial präsentiert wurde, dafür das Publikum aber umso mehr mitsingen konnte. Ansonsten kam die Band mit ihren Eigenkompositionen des Debütalbums aus, und diese kamen live um einiges besser an als auf Platte. Besonders „Tremendous" besaß einen richtigen Gänsehautfaktor. Dabei inszenierte die Band die einzelnen Songs verdammt gut, zu „Gipsy Roll" kostümierten sich die beiden Gitarristen mit einer schwarzen Robe und boten dem Publikum noch ein kleines Comedy-Programm, welches sehr gut ankam. Der abwechslungsreiche Teil gegen Ende des Songs schnürte mir vor Lachen erneut die Luft ab.

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Eine angenehme Atmosphäre, glasklarer Sound, eine gut aufgelegte Band, die auf der Bühne viel kommuniziert und astreiner Rock 'n' Roll? Mehr kann man sich von einem Konzert nun wirklich nicht wünschen. Die gute Stimmung, sowohl auf der Bühne als auch davor, sorgte für mächtig viel Spaß und besonders die offene Kommunikation zwischen den einzelnen Bandmitgliedern kam verdammt gut an. Dadurch hatte man jederzeit das Gefühl, man wäre mittendrin und durch die gute Konversation zwischen Band und Publikum, wurde man auch als Zuschauer in die Show integriert. Bei der Bandvorstellung bekam jeder der fünf sehr talentierten Musiker noch eine kleine Soloeinlage spendiert. Der Kollege am Bass, der das ganze Konzert über als „Uncle-Jazz" betitelt wurde, wird dabei vielen wohl besonders gut in Erinnerung bleiben. Nach etlichen Zugaben und einer Spielzeit von ca. 105 Minuten war dann aber Schluss, und Kyle Gass stürzte sich nach dem letzten Ton direkt von der Bühne zum Merchstand. Schließlich hatte er während des Konzerts versprochen, dass er die Halle nicht verlassen würde, ohne mit jedem ein Bild zu machen, der eins möchte.

So stand der gute Kyle wohl noch etwas länger beim Merchstand und ging weiter auf Tuchfühlung mit dem Publikum. An diesem Freitagabend ging wirklich ausnahmslos jeder mit einem Lächeln auf dem Gesicht nach Hause. Was für ein Konzert! (Pascal)

 

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