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live 20151012 01 JorisWenn man sich anschaut in welchen kleinen Clubs JORIS auf dem ersten Teil seiner „Hoffnungslos Hoffnungsvoll" Tour gespielt hat (siehe Inlay der CD) und in welchen Hallen er auf seiner Herbsttour auftreten darf, dann ist diese Entwicklung mehr als beachtlich. Zufall ist sie sicherlich nicht, denn besagtes Debütalbum fällt durchweg hochklassig aus und deutschsprachige Pop/Rockmusik steht aktuell sowieso hoch im Kurs; mit PHILIPP DITTBERNER steht bereits der nächste Hoffnungsträger am Anfang seiner Karriere. So war die Garage an diesem Montagabend zwar nicht ganz ausverkauft, aber immerhin nah dran und ihr Erscheinen dürften wirklich nur ein paar ganz wenige bereut haben, wenn überhaupt.

JONATHAN KLUTH
Als Support für eine halbe Stunde war der deutsche Singer/Songwriter JONATHAN KLUTH mit dabei, der genau wie JORIS auch in Mannheim Musik studiert hat, inzwischen aber in Berlin residiert. Irgendwie zieht es alle in die Hauptstadt. Vor Musikern, die ohne Band, also ganz alleine auf die Bühne gehen, habe ich besonderen Respekt, denn diese haben gar keine Möglichkeit sich zu verstecken, alle Augen richten sich auf einen selber. JONATHAN KLUTH, der mit seinem Bart und den langen, zotteligen Haaren symphatisch rüberkam, vor allem bei den kurzen Ansagen über Autopannen und andere Dinge des Lebens zwischen den Songs, scheint sich in dieser Rolle wohl zu fühlen, trotzdem wird mir dieser Auftritt nur eingeschränkt positiv in Erinnerung bleiben. Von den Texten und der Musik blieb auch dank des nicht gerade optimalen Sounds nicht so viel hängen, außerdem steht JONATHAN KLUTH aktuell als Mann mit Akustikgitarre und den live gesampelten Percussions (Beatbox) total im Schatten eines ED SHEERAN, der schlicht und einfach eine mitreißende Performance und klasse Songs hat. JONATHAN KLUTH mag sicherlich eine eigene Identität haben und seine Stärke liegt eher in der Verwendung außergewöhnlicher Sounds und Klangmittel, alles in allem aber wirklich nur ein Support, der zwischendurch artig mit Applaus bedacht wurde.

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JORIS
Ehrlich gesagt bin ich kein großer Anhänger davon, wenn Künstler oder Bands mit ihrem Debütalbum bereits Headlinertouren machen, denn mangels Songmaterial liegt die Gefahr nahe, dass nach 45, spätestens 60 Minuten bereits wieder Schluss, Aus, Ende ist. Bei JORIS hatte ich natürlich auch ähnliches befürchtet, aber wie eingangs erwähnt, weil das Debüt in allen Belangen stark ist, wollte ich die Songs unbedingt auch live hören, und statt 60, gab es am Ende satte 100 Minuten nachdenkliche Unterhaltung; ja das soll es geben.

Wenn man wie JORIS vor dem Problem steht, dass man nicht so viel an Material zur Verfügung hat, dann stellt sich die Setlist für ein Konzert quasi von alleine auf, trotzdem ging JORIS ungewohnte Wege und präsentierte nach dem obligatorischen Intro, bei dem alle Musiker nacheinander im Halbdunkel auf die Bühne kamen, anstelle des erwarteten „Neustart" eine zerbrechliche und ruhige Version von „Schnee", so depressiv bin ich schon lange nicht mehr in ein Konzert hineingekommen.
Der „Neustart" wurde dann doch im Anschluss ausgerufen, genauso wie die Zeile „mach die Augen zu und tanz" aus dem Liedchen „Sommerregen", genau zwischen den Polen der Melancholie und locker-fröhlicher Heiterkeit spielt sich die Performance von JORIS ab, erstaunlich, dass der 25jährige anfangs total zurückhaltend rüberkommt, um dann mit jedem weiter gespielten Song mehr aus sich herauszugehen. Sogar an einer Art Stand-Up Comedy versuchte sich JORIS bei einer Kurzgeschichte über ein kleines Stoffminion, er will unterhalten und mit seiner Musik Brücken bauen zwischen den Zuschauern, seiner Band und sich selber.

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Mit „Rom" stellte JORIS zwischendurch zudem ein neues, intimes Stück vor, das ebenfalls direkt zu begeistern wusste, der Multiinstrumentalist hat wirklich ein Händchen fürs Songwriting, hoffentlich wird er dieses nicht so schnell wieder verlieren. So vergingen die Minuten wie im Fluge, die eine oder andere Ansage hätte man ruhig noch etwas kompakter gestalten können, auch die Zehn-Minuten Version von „Herz über Kopf", bei der man am Ende hin mehrere Varianten in verschiedenen Stilen durchspielte (Reggae, Jazz, Electro, Hip Hop), wirkte künstlich aufgebauscht, letztendlich sind das aber Kleinigkeiten. Denn insgesamt präsentierte sich hier eine Band und ein Künstler mit viel Leidenschaft und Dankbarkeit dafür, genau das in diesem Moment tun zu dürfen.

So fehlte schlussendlich eigentlich nur noch eine ähnlich depressive Version von „Schwarz Weiß" als Konzertausklang, die sicherlich ähnlich wie „Schnee" noch lange Nachwirkungen gehabt hätte, aber JORIS entschied sich mit der Gute-Laune Nummer „Wie man es auch dreht" das Konzert zu beenden.

Ob aus dem Senkrechtstarter JORIS dauerhaft ein ernstzunehmender Künstler wird, das wird die Zukunft zeigen, der junge Bursche aus Vlotho bringt eigentlich alles dafür mit. Ein paar Dinge, die aktuell noch fehlen, kann man im Laufe der Zeit noch dazulernen, auch ein Axel BOSSE hat im Laufe der Zeit ein ganz anderes Selbstvertrauen und Verständnis entwickelt. Die Tour wird nächstes Jahr fortgesetzt, keine Frage, dass ich dann in Kaiserslautern wieder mit dabei sein werde. (Maik)

Setlist:
Intro
Schnee
Neustart
Sommerregen
Der Korken
Er
Bittersüß
Feuerwerk
Rom
Hollywood
Stadt In Den Wolken
Instrumental
Im Schneckenhaus
Bis Ans Ende Der Welt
Hoffnungslos Hoffungsvoll
Herz Über Kopf
Wie Man Es Auch Dreht

Alle Livebilder von Maik.
Quelle Titelbild: http://www.jorismusik.de

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