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201506 02 beller openairMal eben fünf Stunden fahren um ins Freibad zu gehen? Klar, warum nicht wenn das Ambiente stimmt! In diesem Fall aber auch ein Open Air, welches dem Erhalt des Freibades dient. So versucht der Verein jedes Jahr aufs neue ein paar Berühmtheiten in das Bad zu locken, um es zwei Tage lang ordentlich krachen zu lassen.
Für Fans von lauter handgemachter Rockmusik war eigentlich nur der Samstag interessant. Doch bevor es vor die Bühne ging, spülten die meisten Gäste mit einem Sprung ins erfrischende Nass, erstmal die Sommerhitze von der Haut.

 

PAPER SKIES
Selbst als die Kölner Alternativ-Rocker von PAPER SKIES mit kernigem weiblichem Gesang das Festival eröffnen, sind nur wenige Zuschauer bereit das Becken bzw. die Liegewiese zu verlassen. Warum auch, ist doch aus dem Wasser heraus eh viel schöner. Ein paar jedoch finden trotzdem in tropfender Badehose den Weg vor die Bühne und können eine ehrlich rockende Band erleben, die sich so gar nichts aus dem Zuschauermangel macht und ihr Ding durchzieht. Die etwas nach ihren amerikanischen Vorbildern PARAMORE klingende Band rund, um die quirlige Sängerin Delphi Van Can, sorgt mit ihrer Mischung aus Gute-Laune-Rock und melancholischen Klängen für einen gelungenen Start in den Festivalabend.

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JOHNBOY
Als die Jungs von JOHNBOY die Bühne erklimmen sind immer noch sehr viele entweder auf der Liegewiese und/oder im Schwimmbecken am planschen. Jedoch konnte man mit zunehmender Spielzeit feststellen, dass der Heavy Rock der Saarländer die Leute magisch anzieht und so tummeln sich einige Interessierte neben der Bühne, vermutlich um einen kurzen Weg ins Becken zurück zu haben. JOHNBOY lassen sich davon nicht aus dem Konzept bringen, denn Frontmann Dom freut sich über die spärlichen Reaktionen die vom ganzen Gelände herüberschallen. Man feiert die Ankunft der NITROGODS und Basser Addi beglückt die Leute am Rande des Teutoburger Waldes mit Ansagen gespickt mit saarländischem Dialekt, welcher bei einigen für ratlose Gesichter sorgt. Neben einigen obligatorischen Klassikern hatten JOHNBOY auch einen neuen Song namens "Breakdown" mitgebracht, welcher sich sehr gut in die Setlist einfügt und Lust auf das kommende Album "State Of The Art" macht. Nach gut 60 Minuten ist auch schon Ende. Trotz wenig Betrieb vor der Bühne tummeln sich anschließend doch einige am Merchandise Stand.

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JOHN HAYES
Der langjährige Gitarrist von MOTHERS FINEST ist mit seinem Drei-Mann-Projekt die professionelle Ausnahme an diesem Tag. Was der Musiker mit seinen beiden Mitstreitern so an technisch raffinierten und brillanten Songs aus den flinken Fingern schüttelt, lässt fast alle anwesenden Musiker respektvoll vor der Bühne mit den Kopf im Tag nicken. Die Musik lässt sich als als Fusion-Heavy Rock aus dem Lehrbuch bezeichnen. Hier sitzt jeder Griff und alle Musiker sind in die dargebotenen Lieder vertieft, ohne jedoch den Kontakt zum Publikum zu verlieren.

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GRAN DUCA
Die Lokalmatadoren von GRAN DUCA hatten an diesem Abend leichtes Spiel, denn es scheint als wären die meisten Menschen im Bad nur wegen ihnen hier. Flugs hatte sich das Becken und die Liegewiese geleert und den Freiraum vor der Bühne mit rockendem Publikum gefüllt. Die Detmolder verstehen es mit ihrem breitwandartigen Stonerrock auf sich aufmerksam zu machen und hauen einen tollen Song nach dem anderen raus. Hier sollte man sehr aufmerksam die Karriere der Jungs weiter verfolgen, denn man wird sicher noch öfters von ihnen hören.

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NITROGODS
Bei einsetzender Dämmerung entern die alten (Rock-) Hasen NITROGODS die Bühne und hauen gleich mit einem amtlichen Rock 'n' Roll-Brett namens "Rats And Rumours" vom aktuellen gleichnamigen Album in die Fresse. Das Dreigestirn feuert einen Hit nach dem anderen in die feiernde Meute und Frontmann Oimel wird nicht Müde zum Trinken und Freiern aufzufordern. Mit einem doppelten Whiskey am Ende des Sets bestehend aus "Whiskey Wonderland" und "Whiskey Supernova", überlassen sie die Festivalbesucher dann ihrem Schicksal.

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V8 WANKERS
Die Offenbacher Speedrock-Combo V8 Wankers hat fast den halben Tag ihren Van mit dickem V8 WANKERS-Logo neben der Bühne geparkt und lässt sich nur widerwillig dazu bewegen, diesen umzuparken damit man auch den Merchandise-Stand sieht. Da der Auftritt erst am Ende des Tages stattfindet, haben sie genügend bzw. zu viel Zeit um das ein oder andere alkoholische Getränk zu sich zu nehmen. Leider merkt man das auch bei der Performance, denn es wirkt alles etwas lärmig und unkoordiniert. Die Zuschauer, die noch stehen können, sind Anfangs noch mit dabei und versuchen dem wilden Treiben auf der Bühne zu folgen. Die V8 WANKERS spielen einige Songs des aktuellen Albums "Harden The Fuck Up" unter anderem "The Fist Of Rock". Leider ist der Sound alles andere als optimal für diesen Hochgeschwindigkeits-Rock und so wirkt alles wie ein einziger Brei, was auch einige Zuschauer dazu bewegt am Bierstand Schutz zu suchen.
(Kleine Anekdode am Rande: Die Aftershow-Party fiel scheinbar etwas heftiger aus, denn der Herr Lutz Vegas - seines Zeichens Sänger bei den V8 WANKERS - überraschte am nächsten Morgen durch seine Auferstehung aus dem Sandkasten des Spielplatzes, in dem er wohl die Nacht verbracht hatte. Immerhin kümmerte sich ein Bandkollege um ihn und so klopfte er sich den Sand vom Leib und torkelte Richtung Band-Van)

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Insgesamt ein sehr gelungener Festivaltag mit vielen glücklichen Gesichtern und fröhlich plantschenden bunten Menschen, die nicht nur wegen der Musik ins Freibad Belle gekommen sind. Security ist keine zu sehen, aber auch kein Streit oder Ärger. Das Wetter könnte nicht besser sein und auch die gesamte Organisation ist vorbildlich. Lediglich ein Kritikpunkt habe ich noch und das ist das Feuerwerk. Selbst wenn es die Organisatoren nichts oder nicht viel gekostet hat, so ist es befremdlich das Geld so verpulvert wird wo es doch dem Erhalt des Freibades besser dienen würde. Sollte das Lineup im nächsten Jahr ebenso prächtig sein, werde ich den weiten Weg gerne nochmal auf mich nehmen um vom 1-Meter-Brett zu hopsen, wenn gerade eine Band ihr bestes gibt! Das Beller Freibad Open Air, charity Open Air Festival ist in seiner 24. Reinkarnation schon eine feste Größe im Norden des Teutoburger Waldes. In der Nähe der Externsteine und des Hermansdenkmals gelegen, ist das Open Air allemal eine Reise wert.
Belle, vielleicht sehen wir uns wieder! (Andreas)

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