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20150803 RobZombie 00„Ausverkauft!" hieß es am 03.08.2015 in der Live Music Hall in Köln, insgesamt 1500 Gäste lockte ROB ZOMBIE für sein einziges Hallenkonzert in Deutschland an. Mit im Gepäck hatte er die Schweden AVATAR, die die Menge bei 35 °Celsius Außentemperatur bereits ordentlich aufheizten.

AVATAR
Als ich zunächst las, dass die Melodic-Deather AVATAR als Vorband zu sehen seien, war ich mir zunächst nicht wirklich sicher, ob das passen würde und darüber hinaus, ob mir die Musik gefallen würde. Als ich dann das erste Bild der Band sah, wusste ich bereits, dass es zumindest optisch perfekt zu ROB ZOMBIE passen würde. Mittlerweile kann ich mir keine passendere Band als Opener vorstellen. Kaum lief das zirkusartige Introtape, marschierte die Band im gut aufeinander abgestimmten Outfit auf die Bühne. Das große leuchtende Banner setze die Menge bereits in Wallung; als dann zum Opener Sänger Johannes Michael Gustaf Eckerström im Stil eines Zirkusdirektors auf die Bühne kam, gab es tosenden Applaus. Eine extrem imposante Art ein Konzert zu beginnen, und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Von Anfang bis Ende hatten AVATAR das Kölner Publikum fest im Griff.

So wurde bei jeder Ansage fleißig mitgemacht und Sänger Johannes brachte alle Ansagen durchweg auf deutsch, sodass man regelrecht verwundert ist, dass es sich um Schweden handelt. Die Band hat zudem einen monstermäßigen Rhythmus, der vom Bass zum Teil an KORN erinnert, von den Melodien her manchmal sogar an IN FLAMES. Doch egal an wen einzelne Parts erinnern, die Band verfolgt eine sehr interessante Richtung, und meiner Meinung nach verbirgt sich da wesentlich mehr als das, was man sich unter Melodic-Death-Metal vorstellt. Besonders eindrucksvoll gelang auch das Zusammenspiel auf der Bühne, so machte das synchrone Propeller-Moshen optisch einiges daher. Irgendwie sehr schade, dass die Band nur 30 Minuten zur Verfügung hatte, denn hier wäre noch viel drin gewesen. AVATAR haben sich als perfekten Opener für ROB ZOMBIE herausgestellt, die neben der wirklich coolen Musik noch eine super Show lieferte. Darüber hinaus scheint Sänger Johannes wohl ein großer Joker-Fan zu sein, zumindest lässt sich das nach seiner Frage „Warum denn so ernst?!" vermuten. Super Opener, Innentemperatur von 50 °Celsius und kühles Kölsch, ROB ZOMBIE konnte kommen.

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ROB ZOMBIE
Und das tat er auch, pünktlich um 21 Uhr. Für die einzige Hallenshow in Deutschland hatte er zwar nicht die ganz große Bühne aus den Staaten mit dabei, doch auch der riesige King Kong auf den Backdrops konnte sich sehen lassen. Abgesehen davon brauchte die Band überraschenderweise auch gar keine riesigen Showelemente, da alleine die Ausstrahlung von ROB ZOMBIE und Gitarrist John 5, ebenso wie Basser Piggy D. und Drummer Ginger Fish quasi ein eigenes Showelement sind. Unfassbar, wie tight diese „Band" klingt, obwohl immer wieder bemängelt wird, dass es sich eher um Mietmusiker handeln würde. Diesen Vorwurf kann ich nach diesem Abend absolut nicht bestätigen, von Anfang bis Ende war die Band mit viel Spaß und Herzblut dabei. Zum Teil gab es etwas zu lange Ansagen zwischen den Songs, und ein Drum-Solo und ein Gitarrensolo müssen bei einem zeitlich sehr kurzen Gig nicht unbedingt sein, doch das wären im Großen und Ganzen auch schon die einzigen Kritikpunkte.

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Ansonsten wirkte ROB ZOMBIE die ganze Zeit über sehr sympathisch und interagierte sehr ausgiebig mit dem Publikum. Bei „Sick Bubblegum" wurden die von anderen Shows bekannten Ballons in die Menge geworfen, was beim Publikum super ankam. Während des gesamten Konzertes zeigte die Band viel Humor. Für Mr. Zombie ist die Live Music Hall an diesem Abend gar die „Sweat Box", was ihn aber nicht davon abhält den JAMES BROWN Klassiker „Get Up (I Fell Like Being a) Sex Machine" anzuspielen. Die Stimmung im Publikum kochte regelrecht über, und es gab bis in die letzten Reihen der Halle kein Halten mehr. Die Setlist war gespickt mit Klassikern, wie immer auch mit WHITE ZOMBIE-Songs, leider kamen vom neuen Album mit „Teenage Nosferatu Pussy" und „Dead City Radio" nur zwei Songs zum Zug. Etwas verwunderlich, da das letzte Album eines der besten ROB ZOMBIE-Alben der letzten Jahre ist. Die Coverversion von „Blitzkrieg Bop" mag auf Platte zwar nicht so gut rüber kommen, live hingegen kommt die Nummer gut an und die Halle sang ordentlich mit. Generell scheint es der Amerikaner zu lieben, auch mal kleinere Coversongs einzustreuen, so wurde „Thunder Kiss '65" vom ALICE COOPER-Klassiker „Schools Out" unterbrochen.

Der Sound kam richtig gut rüber und war sehr gut abgemischt, so kamen auch die vielen Soundeinspielungen („Pussy Liquor") sehr druckvoll aus den Boxen und machten zusammen mit der imposant düsteren Lichtshow die Show perfekt. Einziger großer Kritikpunkt bleibt die ziemlich kurze Spielzeit. Nach knapp 60 Minuten gab es die erste Unterbrechung und anschließend wurden mit „Dragula" und „The Lords Of Salem" lediglich zwei Zugaben spendiert. Etwas, das für mich nicht wirklich nachvollziehbar ist. Das einzige Hallenkonzert, der weite Weg aus den Staaten und die nach Songs dürstenden deutschen Fans, die sich an diesem Abend mächtig ins Zeug legten. Doch das scheint ja nicht nur bei ROB ZOMBIE ein neuer Standard zu sein.

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Dennoch ein grandioses, wenn auch sehr kurzes Konzert, das ich mir gerne noch öfters ansehen werde. Nach der Tour wird ROB ZOMBIE erst einmal seinen nächsten Film „31" fertigstellen, und im Anschluss daran ist mit einer neuen Platte zu rechnen. Hoffen wir mal, dass sich der Amerikaner in den nächsten Jahren öfters in Europa blicken lässt. (Pascal)


Setlist ROB ZOMBIE:
Teenage Nosferatu Pussy
Superbeast
Scum of the Earth
Get Up (I Feel Like Being a) Sex Machine (JAMES BROWN- Cover)
Living Dead Girl
Dead City Radio and the New Gods of Supertown
Drum Solo
More Human Than Human (WHITE ZOMBIE)
Sick Bubble-Gum
Pussy Liquor
Meet the Creeper
Never Gonna Stop (The Red, Red Kroovy)
Blitzkrieg Bop (RAMONES-Cover)
Thunder Kiss '65 (WHITE ZOMBIE)
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Dragula
The Lords of Salem

(Alle Fotos: Jay Jay´s Art - Jenny Brill) 

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