tommy marz band seventy one trips around the sun cover

TOMMY MARZ BAND, in Deutschland leider so gut wie unbekannte Alternative Rocker, bringen mit „Seventy-one trips around the sun“ im Februar ihr zweites Full-Length Album nach „Bringing Alpha“ (2015) heraus.

Neue Bands entdecken ist zwar nichts alltägliches, kommt aber doch hin und wieder vor. Und das auf unterschiedlichen Wegen, sei es weil man sie z.B. als Support auf einem Konzert sieht, in einer Zeitschrift darüber liest etc. Dass man allerdings bei Twitter über einen Künstler stolpert, ist mir so vorher noch nicht passiert. Und erst recht nicht, dass dieser sich dann auch noch die Zeit nimmt, sich mit einem wildfremden Menschen, der behauptet Redakteur zu sein, zu unterhalten.

Tommy selbst bezeichnet dieses Album als das persönlichste, was er je geschrieben hat. Es entstand während der Krebserkrankung seines Vaters und wurde kurz nach dessen Tod fertiggestellt. Diese Erfahrung spiegelt sich in den Texten wieder. Der Song „Seventy-one trips around the sun“ ist eine rein instrumentale Hommage, wurde sein Vater doch 71 Jahre alt und hat somit eben so oft die Sonne umrundet; „Coffee, Cigarettes and Judge Judy“ wurde aus der Sicht von Tommy Vater geschrieben.

Dieser doch sehr persönliche Bezug zu den Songs erklärt auch, wieso die Veröffentlichung etwas sehr Besonderes für die Band ist und sie auch ein wenig nervöser als sonst sind, sie den Fans zu präsentieren. Doch – die Nervosität ist unbegründet, das Album ist wirklich toll geworden.

Die Einflüsse, die sich heraushören lassen, sind zahlreich, am ehesten aber wohl die STONE TEMPLE PILOTS und SILVERCHAIR. Aber generell hat der Grunge eine große Inspirationsquelle zu diesem Album gestellt; es könnte ohne Weiteres bei einer 90's Alternative Party mitlaufen. Also nicht, dass es altmodisch klingen würde - das sagt ja aber über NIRVANA auch niemand.  „Coffee, Cigarettes and Judge Judy“ ist in den Strophen ein Mitten-auf-die-Fresse Song, die Refrains sind etwas weicher, melodischer; "Reborn" ist eine wunderschöne Ballade, in der es darum geht, dass man das Leben genießen sollte und zwar mit den richtigen Menschen an der Seite. Mit "Toumble in the rough" ist auch ein STONE TEMPLE PILOTS Cover dabei, welches sehr nah am Original bleibt und richtig reinhaut. "Rival" würde ich in den Gesangslinien fast ein wenig Popeinschlag unterstellen, was aber gut zum Lied passt und auch nicht weiter ungewöhnlich ist, da Marz auch in diesem Genre schon unterwegs war. "Spiritus Mundi" erinnert mich an "Rooster" von ALICE IN CHAINS. Nicht das es vom Klang her gleich wäre, aber der Aufbau ist ähnlich - der langsame, atmospärische Gesant am Anfang, der dann in die rockige Stimmlage übergeht. Ein weiteres Cover, dieses mal von AMERICA hat Tommy mit "A horse with no name" am Start. Der Song wurde ein wenig an den Stil des Albums angepasst, was ihm gut steht; die Idee für das Cover entstand auf einem Roadtrip die Ostküste der USA entlang im Sommer 2016, auf dem er das Lied in Dauerschleife hörte. "Living Stronger" behandelt den Kampf mit dem Krebs und trumpft mit einem Gitarrensolo vom Feinsten auf - hier muss noch angemerkt werden, dass die Instrumente im Studio alle von Tommy Marz selbst eingespielt wurden. Nicht weil seine Bandkollegen nicht gut wären, sondern weil er hier einfach zu sehr Perfektionist ist und den Sound bei seinen Songs genau auf eine bestimmte Art haben möchte. "Wander" hingegen ist ein Ballade, der man die Melancholie und den Schmerz, der hinter dem Songwriting steckt, anhört. Bei "Out of body experience", dem Abschluss des Albums, ist der Name Programm - hier wird einem durch eine Verzerrungen und Halleffekte ein Gefühl vermittelt, als würde George Clooney gerade hinter Sandra Bullock durchs Weltall schweben. Im Gegenzug hierzu ist der Start "My former self" ein klassischer Rocksong, der so durchaus auch von den STP sein könnte.

Alles in allem, ein solides Album, dass es definitiv wert ist, auch im Rest der Welt gehört zu werden. (Sabrina)

 

Bewertung:

sabrina9,0 8 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 51:08 min
Label: Stagefiend Records
Veröffentlichungstermin: 02.02.2018

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