cyhra letterstomyselfDass die beiden ehemaligen IN FLAMES Mitglieder Jesper Strömblad und Peter Iwers wieder in einer gemeinsamen Band spielen, darauf hat man jetzt nicht unbedingt gewartet, es dürfte aber in der Theorie einige freuen, denn das allseits beliebte Motto „früher war alles besser“ wird in Bezug auf IN FLAMES gerne verwendet. Zusammen mit dem ehemaligen AMARANTHE Sänger Jake E und dem Schlagzeug-Allrounder Alex Landenburg (ex-eine ganze Reihe von Bands) bilden Strömblad und Iwers nun die Band CYHRA, die dieser Tage ihr im Frühjahr eingespieltes Debütalbum „Letters To Myself“ veröffentlicht hat.

Nun habe ich dieses Debütalbum in den vergangenen Tagen und Wochen ganz schön häufig gehört und ich muss schon sagen, es ist auch ganz schön gut geworden. Man merkt einfach, hier sind Musiker am Werk, die wissen, was sie können und wissen, was sie mit „Letters To Myself“ wollten, wobei bei dieser Band die klassische Rollenverteilung zu greifen scheint. Jake E als Sänger und Jesper Strömblad als Gitarrist haben alle Songs geschrieben und das Album auch mitproduziert, zu einer echten Band gehören dann eben auch noch ein Bassist und ein Schlagzeuger, das scheinen die Rollen von Peter Iwers und Alex Landenburg gewesen zu sein, soweit man das außenstehend beurteilen kann.

Das ist sozusagen dann die eine Seite der Medaille, die eine Seite der Wahrheit, die weniger schöne Seite folgt fast logischerweise auf dem Fuße. Betrachtet man die Fakten, dann sind CYHRA eine der lächerlichsten Bands der letzten Jahr, eine Ansammlung von Peinlichkeiten und Unverschämtheiten. Das klingt hart, wird aber kaum zu widerlegen sein.
Dabei ist es noch relativ egal, warum Jesper Strömblad und Peters Iwers, der eine früher, der andere später, IN FLAMES verlassen haben/mussten. Gerade bei Jesper Strömblad schien der Stachel recht tief zu sitzen, denn er unternahm in den letzten Jahren mehrfach den Versuch, die modernere und mainstreamigere, und damit auch erfolgreichere, Ausrichtung seiner ehemaligen Band verbal ins Visier zu nehmen, was soweit ging, dass er seinen ehemaligen Kollegen nahe gelegt hatte, den Namen zu wechseln. Auch bei Peter Iwers schien es so zu sein, dass er nicht mehr damit einverstanden war, was Anders Friden und Björn Gelotte federführend mit IN FLAMES machten.
Diese Meinungen sind natürlich legitim und individuell nachvollziehbar, aber es ist nun schon arg dreist, wenn die beiden Musiker mit CYHRA eine Band ins Leben gerufen haben, die wie eine Kopie von AMARANTHE klingt, mit dem kleinen Unterschied, dass CYHRA noch deutlich verwurzelter im Pop- und Mainstreambereich sind. Hier lautet die Diagnose: Death Metal oder Heavy Metal allgemein: Fehlanzeige!

Und damit kommt nun Jake E ins Spiel, es wirkt schon arg arrogant und egoistisch eine stilistisch und qualitativ top funktionierende Band wie AMARANTHE zu verlassen, um kurze Zeit später eine „eigene“ Band zu begründen, mit der er fast genau das gleiche macht wie vorher. Nochmals zum Verständnis zwischendurch, „Letters To Myself“ ist für sich genommen ein gutes Album, wenn man Musik aber nun als Kunstform betrachtet, dann besitzt „Letters To Myself“ kaum eine Daseinsberechtigung und unterhalb der Oberfläche gibt es fast nur Verlierer.
Die drei genannten Protagonisten verspielen ihre Glaubwürdigkeit und Alex Landenburg, zweifelsfrei einer der besten nationalen Schlagzeuger, verschenkt auf der Suche nach einer Band, mit der endlich längerfristig einmal zusammenarbeiten kann, sein Talent an diese Band, bei der ich mir kaum vorstellen kann, dass sie in fünf oder zehn Jahren noch so existieren wird wie aktuell. Selbstverständlich lasse ich mich gerne 2027 eines Besseren belehren, sollten CYHRA dann große Festivals headlinen.
Das Schlagzeug auf „Letters To Myself“ hätte jedenfalls auch Angelo Sasso (die älteren werden sich erinnern) oder irgendein beliebiger Typ, der sich cool auf Promofotos macht, einspielen können, die Produktion klingt sowieso recht künstlich.

Schieben wir nun alles das zur Seite, dann bleibt bei „Letters To Myself“ wenigstens hängen, dass alle 12 Songs (inklusive der Lyrics, die so etwas wie Emotion zulassen) sehr ordentlich geraten sind, wenngleich das Album noch etwas mehr stilistische Offenheit hätte vertragen können. Der Anteil des melodischen Death Metal wie ihn DARK TRANQUILITTY oder IN FLAMES groß gemacht haben, beträgt übrigens in etwa 0,3 Prozent, die auf das Eröffnungslead im Opener „Karma“ entfallen, da denkt man dann kurz an „Only For The Weak“. Der Rest klingt dann, ich kann es drehen und wenden wie ich es will, nach AMARANTHE und ich kann gar nicht sagen, wie oft ich beim Hören von „Letters To Myself“ darauf gewartet habe, dass bei den Refrains endlich Elize Ryd als Sängerin auftaucht. Viele der 12 Songs wären prädestiniert für ihre tolle Stimme, aber sie ist leider nicht da, weil das hier eine andere Band ist, die Kopie sozusagen, und die Kopie ist eben in den allermeisten Fällen schlechter als das Original.

Punkte für Originalität verdienen sich CYHRA definitiv nicht, die hier stehende positive Bewertung gibt es fast ausschließlich dafür, dass das Duo „Strömblad“ und „E“ wie dargelegt eine ganze Reihe starker Songs und eingängige Hymnen geschrieben hat, die mir persönlich dann auch gut gefallen, weil ich AMARANTHE klasse finde und auch die letzten IN FLAMES Platten klar gegenüber „Lunar Strain“, „The Jesters Race“ oder „Colony“ bevorzuge. Soll es halt auch geben. (Maik)

Bewertung: 

Maik 20167,5 7,5 / 10

Anzahl der Songs: 12
Spielzeit: 48:00 min
Label: Spinefarm Records
Veröffentlichungstermin: 20.10.2017

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Anne antwortete auf das Thema: #22042 2 Wochen 4 Stunden her
Ui, dass der Maik so schimpft, das habe ich schon lange (noch nie?) nicht mehr erlebt. Ich muss sagen, dass ich deine Argumente zum Teil nachvollziehen kann, zum Teil aber auch nicht. Peter Iwers ist einer meiner Lieblingsbassisten (ich bin vermutlich der einzige, der sowas hat) und ich war schon traurig, als er IN FLAMES verlassen hat. Dass er dann zusammen mit Jesper Strömblad eine neue Band gründet, hat mich gefreut. Ja, ich hab' nicht drauf gewartet, aber ich hab' mich gefreut. Und dass dann auch noch Alex mit dabei ist, hat mich noch mehr gefreut. Für ihn und für mich. Ich hatte allerdings in der Tat musikalisch erwartet, dass es etwas mehr RIchtung IN FLAMES geht. Und sogar befürchtet, dass es zu hardcoring für meinen Geschmack werden könnte, nachdem ich ja schon Scheiben von Jespers THE RESISTANCE geviewt hatte und die mir zu sehr Richtung Hardcore gingen.

Dass ein Jesper Strömblad sich aber allen Ernstes hinstellt und verlangt, dass IN FLAMES, die über die Jahre eine konstante Entwicklung (meinetwegen in die falsche Richtung) hingelegt haben, nun ihren Namen ändern sollen und er dann selber so ein (Verzeihung) Weichspüler-Rockalbum vorlegt - das ist wirklich einfach nur lächerlich.

In der Tat erinnert die Scheibe deutlich mehr an AMARANTHE als an IN FLAMES. Und da fragt man sich dann doch, was man damit soll. Denn im Grunde haben doch die alten IN FLAMES-Fans, wenn man ehrlich ist, doch nur darauf gewartet, dass sich die alten Mitglieder zusammen tun und das spielen, was die "echten" IN FLAMES nicht mehr spielen. Dass Jesper Strömblad und Peter Iwers darauf nun auch keinen Bock haben, kann ich verstehen. Aber etwas härteres hätte ich doch echt erwartet. Mit einer Sängerin kämen die Songs auch glaube ich besser rüber.

Wie auch immer. Musikalisch ist dies ein tolles Album, leider löst es bei mir nicht die erwarteten Emotionen aus und ich glaube kaum, dass diese Scheibe bei mir regelmäßig laufen wird. Sollten CYHRA jedoch mal in der Nähe spielen, gehe ich wahrscheinlich doch hin, alleine aus Nostalgie-/Sympathiegründen.

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