live 20180109 00Musste man nach 1998, also seit der „Something Wicked This Way Comes“ Tour erst einmal eine halbe Ewigkeit warten, bis die Ami-Power-Metaller von ICED EARTH endlich wieder im Saarland ein Konzert gaben, sind die Mannen um Jon Schaffer in den letzten Jahren zu Stammgästen in Saarbrücken und Umgebung geworden. So hatte man als Fan der Band seit 2014 immerhin vier Mal die Chance die Band vor Ort live zu sehen (plus ein Mal im benachbarten Esch-Sur-Alzette), wenn ich richtig gezählt habe, sicherlich mit ein Grund, warum auf den Tag genau vier Jahre nach dem bärenstarken Gig auf der „Plagues“ Tour, im Winter 2018, man verzeihe mir die Wortwahl, wirklich sauwenig los war in der Garage. Vielleicht waren es 400, vielleicht waren es auch 500 Nasen, die da waren, das ist gerade einmal die Hälfte von vor vier Jahren gewesen, dementsprechend gemütlich war es in der Garage, dementsprechend schlecht war über weite Strecken des Konzertes aber auch die Stimmung gewesen.

METAPRISM
Fangen wir von vorne an, dann kann man fast schon mit dem Highlight des Abends beginnen. Das waren METAPRISM aus dem Vereinigten Königreich, die lustigerweise an der Kasse als METAPRISON angekündigt worden waren. Der gemischte Sechser, der vereinfacht gesagt wie eine Mischung aus AMARANTHE und ARCH ENEMY klingt und deren zweites Album „Catalyst To Awakening“ aktuell bei mir rauf und runter läuft, wusste seine Chance zu nutzen und zeigte, dass melodischer Heavy Metal auch Eier haben kann und nicht zwangsläufig peinlich bis kitschig geraten muss. Die beiden Vokalisten Theresa und Joey ergänzen sich stimmlich gut, die Songs machen einen gereiften Eindruck, da reichten 30 Minuten aus, um zu erkennen, dass es sich hier um einen Newcomer handelt, den man im Auge behalten sollte.

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FREEDOM CALL
Alles andere als Newcomer hingegen sind FREEDOM CALL, die bereits vor fast 20 Jahren ihr Debütalbum „Stairway To Fairyland“ herausbrachten und ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich das Teil damals auf einer Plattenbörse in Saarlouis gekauft habe. Zu einer Zeit, als eine Band wir RHAPSODY noch cool war, konnte man auch diese fränkischen Fantasy-Metaller um Chris Bay und den damaligen GAMMA RAY Schlagzeuger Dan Zimmermann gut finden. Inzwischen wirken FREEDOM CALL nach mehreren Besetzungswechseln mehr wie ein Soloprojekt von Chris Bay und nimmt man die Qualität der letzten Alben zum Maßstab, dann muss man ganz klar sagen, die Band hat schlicht und einfach den richtigen Zeitpunkt verpasst, sich freiwillig aufzulösen.

Klingt hart, aber auch dieser Auftritt in Saarbrücken passte da irgendwie ins Bild, wobei ich nicht verschweigen will, dass etwa 50 Zuschauer ernsthaft Spaß bei der Sache hatten, der Rest bekam gute Laune vermutlich eher davon, dass dieser „Friede, Freude, Eierkuchen“ Metal über das Heavy Metal Wonderland eine (un)freiwillige Komik mit sich bringt, „Metal Is For Everyone“ und so weiter und so fort.

Zugute halten kann ich der Band, dass sie es natürlich versteht, brauchbare Happy Metal Songs zu schreiben und Chris Bay ist natürlich auch ein guter Entertainer, stark war auch die Performance des Ersatzdrummers Kevin, der normalerweise bei MASTERPLAN die Felle verdrischt.
Spielen durften FREEDOM CALL die üblichen 45 Minuten, das reichte für etwa 8 Songs, von denen die meisten eher neueren Datums waren, unter anderem spielte man bei solidem Sound „Masters Of Light“, „Hammer Of The Gods“, „Warriors“ und die Bandhymne „Freedom Call“.

Was davon live war und was davon parallel aus der Konserve eingespielt wurde, lasse ich jetzt einmal bewusst offen im Raum stehen, weil es immer schwierig ist, das als Zuschauer definitiv zu beweisen, aber man hatte hier definitiv nicht den Eindruck von einer reinrassigen Liveshow, so wie man sich das eigentlich vorstellt. Auf eine gewisse Art und Weise war es unterhaltsam, nicht mehr und nicht weniger.

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ICED EARTH
Bei einer Band wie ICED EARTH liegt die Sache da schon ganz anders, diese Band steht wie kaum eine andere für den ursprünglichen Sinn und Zweck von Power Metal und die Hinzunahme von Stu Block als Sänger vor einigen Jahren hat der Band neuen Schwung gegeben. „Dystopia“ war ein herausragend gutes Album, „Plagues Of Babylon“ wirkte darauf wie ein Schnellschuss, aber mit „Incorruptible“ konnte man im letzten Jahr meiner Meinung nach wieder zu alter Stärke zurückfinden, ohne natürlich einen Klassiker wie „Dark Saga“ oder gar „Night Of The Stormrider“ abgeliefert zu haben.
Die Fans scheinen das, wie bereits angedeutet, etwas anders zu sehen, denn die Livepremiere der neuen Songs wollten sich nicht wirklich viele Metalfans anschauen und manche der neuen Songs wurden recht teilnahmslos hingenommen.
Das ist eigentlich schade, denn ICED EARTH machten eigentlich gar nicht so viel falsch bei ihrem ersten Gig der Europa-Tour. Man bot volle zwei Stunden lang ein buntes Programm, das alle Phasen der Band berücksichtigte und wieder mal wurde deutlich, dass Stu Block jetzt nicht so viel schlechter ist als Matt Barlow, wenngleich ihm einfach diese ganz spezielle Magie und Ausstrahlung fehlt.

Zwei weitere Gründe, warum dieser Gig trotz cooler Setlist nicht zu einem Triumphzug wurde, liegen meiner Ansicht nach darin begründet, dass ICED EARTH ähnlich wie ANNIHILATOR nicht mehr als Band im eigentlichen Sinne wahrgenommen werden, sondern zunehmend als Band von Jon Schaffer und Stu Block mit wechselnden Musikern, die ihre Sache ordentlich machen, insgesamt aber einfach ausdruckslos bleiben. Da fehlt dann eben das gewisse Etwas. Außerdem gab es an diesem Dienstag-Abend mal wieder den typischen Garagensound zu hören, das heißt der Sound war beim Headliner alles andere als optimal, was man daran merkte, dass man als Zuhörer und Fan erst einmal länger nachdenken musste, welcher Song gerade gespielt wurde. Und wie soll man da richtig abgehen, wenn man die ganze Zeit überlegt, was ist das für ein Song, der gerade läuft?

Bei „Great Heathen Army“ und der Standardnummer „Burning Times“ funktionierte die Sache ganz zu Beginn auch noch ganz gut, weitere Highlights der ersten Showhälfte sollten die emotionale Halbballade „I Died For You“ sowie „Dracula“ sein, einer der besseren „Horror Show“ Songs, auf der anderen Seite stehen dann neue Mid-Tempo Songs wie „Brothers“ und „Raven Wing“, die mir auf dem aktuellen Album wirklich gut gefallen, live aber schlecht bis gar nicht funktionieren, und auch für einen Brecher wie „Seven Headed Whore“ braucht es einen klaren und gut ausgesteuerten Sound, damit die Nummer nicht nur als Krach rüberkommt.

Immerhin muss man aber auch ganz klar sagen, dass ICED EARTH genau an dem Punkt, als es wirklich öde zu werden drohte, den Hammer rausholten und eine starke Nummer nach der anderen brachten. Zuerst die „Something Wicked“ Trilogie bestehend aus „Prophecy“, „Birth Of The Wicked“ und „The Coming Curse“ am Stück, sozusagen als Warm-Up zu einer überragenden „Night Of The Stormrider“ Viertelstunde mit „Stormrider“, das von Jon Schaffer selber gesungen wurde, sowie „Angels Holocaust“ und „Travel In Stygian“, bei denen ich nicht ganz sicher bin, ob beide Songs komplett oder als Medley gespielt wurden; wie gesagt schlechter Sound und so weiter.

Danach hätte dann eigentlich auch Schluss sein können, aber ICED EARTH kamen nochmals zurück, spielten zwei weitere Songs und machten damit die zwei Stunden komplett, was ich sehr respektabel finde. „Clear The Way“ entpuppte sich dabei als eines der Livehighlights vom „Incorruptible“ Album und beim abschließenden, unter anderem Warrell Dane gewidmeten, „Watching Over Me“ sangen alle dann lauthals mit und man ging dann doch irgendwie um kurz nach 23 Uhr zufrieden nach Hause in dem Bewusstsein, dass es unter anderen Voraussetzungen ein überragender Konzertabend hätte werden können.

Epilog: Ich bin gespannt, ob die Band im Zuge der angekündigten Neueinspielungen der „alten“ Alben dann auch eine oder mehrere Thementouren spielen wird, mit denen man diese Alben wieder hochleben lassen möchte. Vielleicht kommen dann auch wieder mehr Zuschauer, siehe neulich bei W.A.S.P. und "The Crimson Idol". (Maik)

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